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Erasmus von Luegg Wappen

15. November 2012

Heraldik – Überblick und Geschichte

Der Begriff „Heraldik“ bezeichnet das Wappenwesen. Auch wenn Wappen heutzutage vielerorts nur im Zusammenhang mit Bundesländern, Städten oder Historienfilmen bekannt sind, ist die Heraldik eine lebendige Wissenschaft.

Und, da sie in engen Zusammenhang mit Fahnen/Flaggen steht, auch für uns ein beleuchtenswertes Thema. In den kommenden Abschnitten behandeln wir die Geschichte, gehen auf besondere Arten der Heraldik ein und beschreiben die aktuelle Situation dieser Wissenschaft.

Der Begriff und die Unterdisziplinen

Das Wort Heraldik stammt von dem mittellateinischen Wort „heraldus“ ab, was wiederum ins Deutsche übersetzt Herold bedeutet und eine Berufsbezeichnung für einen mittelalterlichen Turnieraufseher war. Aufgabe der Herolde war es, bei höfischen Ritterturnieren die Wappen der Ritter auf Echtheit zu prüfen und den Ablauf des Turniers zu überwachen. Die Teilnahme an Turnieren war nur den Adeligen vorbehalten. Ein Herold musste demnach alle Wappen der adeligen Familien genau kennen und bestimmen können – mit anderen Worten: Wappenexperte sein. Heutzutage zählt die Heraldik im Bereich der Geisteswissenschaften zu den historischen Hilfswissenschaften, da sie primär der Aufbereitung historischer Quellen dient (zum Beispiel zur Ahnen- und Stadtforschung).

Die Heraldik ist in die drei Unterdisziplinen Wappenkunst (Gestaltungsregeln für Wappen), Wappenkunde (bezeichnet die Regeln, nach denen Wappen zu „lesen“ sind) und Wappenrecht (die Bestimmungen, welche die Führung eines Wappens regeln) aufgeteilt.

Historischer Überblick

Stadwappen Leipzig

Das Wappen der Stadt Leipzig

Wer sich mit Wappenkunde auseinandersetzt und ihre Ursprünge kennenlernen will, muss sich weit in die Vergangenheit begeben. Während die Verzierung von Fahnen oder Schilden mit Figuren, Symbolen oder verschiedenen Tieren zu dekorativen Zwecken schon im vorzeitlichen Babylon und China gebräuchlich war, wird die Verwendung bei großen Schlachten unabdingbar. Dort wurden Farben von Fahnen, Bannern und Rüstungen sowie Feldzeichen und Wimpel dazu genutzt, um Freund von Feind zu unterscheiden und sich entsprechend verhalten zu können. Gewisse Wappentiere wie Löwen und Adler hatten auch damals schon symbolisch-repräsentativen Charakter.

Einen großen Bedeutungszuwachs gewannen Wappen mit dem aufkommenden Feudalismus des Mittelalters. Herrscher und Adelige begannen zunehmend, sich eigene Symbole auszuwählen, die auf Schilden, Fahnen und Kleidungsstücken ihre Häuser repräsentierten. Zunächst wurde eine einfache Kombination aus Symbolen und Farben gewählt, die jeweils nur einer Person zugeordnet waren und von dieser beliebig geändert werden konnte. Kreuzzüge und Ritterturniere führten schließlich dazu, dass die Wappen zunehmend gleich blieben und von den Angehörigen und Untergebenen großer Häuser mit Stolz getragen wurden. Nachdem schon im ersten Kreuzzug viele Ritter ein eigenes Wappen besaßen und dieses mit ins Heilige Land nahmen, betrachteten deren Nachfahren es als Ehre, die Wappen ihrer Väter bei allen folgenden Kreuzzügen tragen zu dürfen. Bei Turnieren hatten Wappen auf Schilden, Tuniken, Pferdedecken und Lanzen neben der Repräsentation des eigenen Hauses auch den Zweck, die Turnierteilnehmer in ihren blickdichten Rüstungen überhaupt identifizieren zu können.

Ritterwappen

Eine Sammlung von Wappen ehemals regierender Adelsgeschlechter im Schloss Ljubljana, Slowenien.

In der Renaissance nahm die Bedeutung von Ritterturnieren zunehmend ab und kam schließlich vollständig zum Erliegen. Das bedeutete auch das Ende für das Wappenwesen im Ritterturnier – jedoch wurde es schnell auf andere Bereiche übertragen und verlor insgesamt keineswegs an Bedeutung. Neben den nach wie vor präsenten militärischen Funktionen wurden Wappen nun zunehmend auch an Stadttoren und Gebäuden, Siegeln und Dokumenten angebracht und verwendet. Weil die Wappen nun häufiger repräsentative und erkennungsdienstliche Aufgaben übernahmen, von militärischer Schlichtheit jedoch zunehmend befreit waren, wurden sie, insbesondere im Barock und Rokoko, immer weiter ausgestaltet und verziert. Die heraldische Bedeutungen von Tieren und Symbolen hinter der (vermeintlichen) Schönheit der Wappen rückte in den Hintergrund.

Erasmus von Luegg Wappen

Das Wappen des Raubritters Erasmus von Luegg (Predjamski Grad, Slowenien)

Wappenführung in Deutschland heute

Gemäß deutschem Recht ist heutzutage jedermann dazu berechtigt, ein eigenes Wappen zu wählen und auch zu führen. Adlige Abstammung spielt dabei keine Rolle mehr. Sobald sich eine Person ein Wappen gewählt hat, ist es durch das Bürgerliche Gesetzbuch vor der Führung durch eine andere Person gesetzlich geschützt. Dazu ist ein Eintrag in der Deutschen Wappenrolle notwendig, die im Jahre 1922 durch den Herold, Verein für Heraldik, Genealogie und verwandte Wissenschaften zu Berlin geschaffen wurde. Ein so genannter Herolds-Ausschuss, der aus einem Wappenkundler, einem Ahnenforscher und einem Juristen besteht, überprüft den Antrag und die Formalitäten und entscheidet über Aufnahme oder Ablehnung des Antragsstellers.

Kirchliche Heraldik

Die katholische Kirche hat im Laufe der Jahrhunderte eine Heraldik entwickelt, die ein eigenes, kompliziertes System repräsentiert. Die Wappen unterscheiden sich je nachdem, ob die Wappen rein geistlicher Natur sind oder eine Kirchenposition repräsentieren, die mit weltlicher Herrschaft verbunden sind. Bei Landesherren und ähnlichen Herrschaftspositionen werden die Wappen der Territorialherren samt Helm und Helmzieren übernommen und durch kirchliche und weltliche Insignien wie Kreuz, Krummstab und Schwert erweitert. Wenn es sich um rein geistliche Herren handelt, werden zum Beispiel Bischofshut, Schnüre und Quasten verwendet, um Rang und Amt des Wappenträgers zu zeigen. Bei kirchlichen Wappen handelt es sich um personengebundene Wappen, die nicht weiter vererbt werden. Angesichts des herrschenden Zölibats in der katholischen Kirche ist dies nur logisch.

Bischofswappen

Eine Blankoversion des klassischen Bischofswappens

 

Napoleonische Heraldik

Das französische Wappenwesen erhielt im Jahre 1808 eine Neuordnung, die als napoleonische Heraldik bezeichnet wird. Kaiser Napoleon I. führte in dem von ihm geschaffenen französischen Kaiserreich auch einen neuen Reichsadel ein, was seiner Ansicht nach auch ein neues Wappenwesen erforderlich machte. In diesem neuen System stand die Würde, die der Wappenträger innerhalb des Staates durch die Bekleidung eines bestimmten Amtes innehatte, an erster Stelle. Erst an zweiter Stelle stand die Würde, die dem Träger durch seine Abstammung zufiel. Die heraldischen Helme der Wappen wurden weggelassen und durch Hüte mit Federschmuck oder Kochmützen ersetzt. Die königlichen Lilien wurden ebenfalls entfernt. An ihre Stelle traten Bienen. Dieses System hielt sich jedoch nur während Napoleons Herrschaft. Nach seinem Sturz wurde es abgeschafft und nicht wieder eingeführt.

Berufsbezeichnung „Heraldiker“

Den Beruf „Heraldiker“ als solchen gibt es nicht. Daher sei an dieser Stelle jeder gewarnt, der sich für Wappenkunde oder Ahnenforschung interessiert und über das Internet oder sonstige Informationsquellen an einen so genannten „geprüften Heraldiker“ oder „staatlich geprüften Heraldiker“ gerät. Dabei handelt es sich garantiert um einen Betrüger. Selbiges gilt für Genealogen (Familien- und Ahnenforscher). Auch dies ist keine geschützte Berufsbezeichnung.

Gruppen und Vereine

1918 wurden die Heroldsämter in Deutschland abgeschafft. Damit endete nicht nur der staatliche Einfluss auf die persönliche Wappenführung in Deutschland, sondern auch die Pflege der Heraldik als solche. Daher fanden sich schnell Vereine und Gruppierungen zusammen, denen die Bewahrung und Erweiterung geschichtlichen, heraldischen und genealogischen Wissens am Herzen lag. Forschung, Bewahrung und Erweiterung des Fachwissens stand und steht im Mittelpunkt der wichtigen, bis heute agierenden Vereine. Der größte und bekannteste Verein ist der bereits erwähnte HEROLD. Dieser gemeinnützige wissenschaftliche Verein wurde bereits 1869 in Berlin gegründet und beschäftigt sich neben der Heraldik auch mit Genealogie, Siegelkunde, Ordenskunde sowie Münz- und Medallienkunde und Namenskunde. Der heraldische Verein „Zum Kleeblatt“ von 1888 zu Hannover e.V. ist Trägerverein der niedersächsischen Wappenrolle und besteht ausschließlich aus ehrenamtlich arbeitenden Mitgliedern. Das Mitglied und Führer der Niedersächsischen Wappenrolle Gustav Völker entwarf zum Beispiel das niedersächsische Landeswappen (weißes Ross im roten Felde). In Leipzig ansässig ist die heraldische Gesellschaft „Schwarzer Löwe“. Neben Einträgen in die sächsische Wappenrolle widmet sich die Gesellschaft der Ahnen- und Familienforschung, der Neuschöpfung von Familienwappen sowie für Gemeinde-, Landkreis- und Verwaltungsgemeinschaftswappen.

Heraldiker (Design)

Wie im Artikel bereits beschrieben, können Personen sich auch heutzutage ein eigenes Wappen wählen und es in der deutschen Wappenrolle registrieren lassen. Dazu genügt es jedoch nicht, selber einen Entwurf auf ein Blatt Papier zu kritzeln und dies an den Verein „Herold“ zu schicken. Bei der Gestaltung des Wappens müssen die bis heute gültigen Regeln der Wappenkunst eingehalten werden. Zum Beispiel sollten Anzahl von Farben, Feldern und Figuren innerhalb des Wappens möglichst gering gehalten werden. Was die Felder angeht, so ist zu beachten, dass bei zwei Feldern jeweils eines in einer Farbe, das andere jedoch in einem Metall tingiert (koloriert) sein muss. Als Metalle gelten die Farben Weiß und gelb, die in der Heraldik als Gold und Silber bezeichnet werden. Die Farben der Heraldik sind Blau, Rot, Purpur, Schwarz und Grün.

Genaue Kenntnisse über Gestaltungsregeln und –möglichkeiten haben Grafiker, die sich (zusätzlich) auf das Gebiet der Heraldik spezialisiert haben und die Schaffung neuer Wappen als Dienstleistung anbieten. Ein Beispiel stellt der Heraldiker Dieter Schäfer dar. Ein weiterer Wappenkünstler, der seine Dienste gegen Bezahlung zur Verfügung stellt und auf seiner Webseite überdies viele wissenswerte Informationen über die Heraldik im Allgemeinen zur Verfügung stellt, ist Roland Tiedtke. Schlussendlich sei hier noch auf den Heraldiker Jörg Mantzsch verwiesen, der auf seiner Webpräsenz weniger Einzelpersonen als vielmehr Städte, Ortschaften, Landkreise, Vereine und Verbände anspricht, die ein eigenes (und/oder ein neues) Wappen haben möchten.

 
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